Notengrafik für die Pastoralmesse Nr. 4 in G-Dur von Joseph Friedrich Hummel

Die Pastoralmesse Nr. 4 in G-Dur für Soli, gemischten Chor und Orchester oder Orgel von J. F. Hummel

Orchesterbesetzung: Flöte / Oboe / 2 Klarinetten in B / Fagott – 2 Hörner in F / 2 Trompeten in B / Posaune – Pauken – Chor – Orgel – Violine 1 / Violine 2 / Viola / Violoncello / Kontrabass

Die Messe wurde am 06. Januar 2016 zum Fest „Erscheinung des Herrn“ in der Stiftskirche St. Peter in Salzburg unter der Leitung von Günther Firlinger aufgeführt.
„Die Resonanz unter den Messbesuchern war sehr positiv,“ berichtete Günther Firlinger nach der Aufführung, „die Messe wurde allgemein als sehr schön und wohlklingend gelobt.“

Lesen Sie auch die zugehörige Pressemitteilung:
Pastoralmesse G-Dur von J. F. Hummel – Pressemitteilung

Notensatz / Notengrafik der Pastoralmesse

Das handschriftliche Vorlagen-Material bestand aus einem Orgelauszug (Soli, Chor und Orgel) sowie den einzelnen Orchesterstimmen.
Die Handschrift des Orgelauszuges fasst die 4 Chorstimmen in nur 2 Systeme zusammen. Eine Partitur war nicht vorhanden.
Damit der Chor mit den Proben beginnen konnte, wurde zunächst der Orgelauszug neu gesetzt.
Dabei wurden die 4 Chorstimmen der besseren Lesbarkeit wegen auf 4 Systeme verteilt.

Danach wurden sämtliche Stimmen in eine neue Partitur im Format DinA3 eingetragen.
Hierbei wurde deutlich, dass sich die handschriftlichen Einzelstimmen in zahlreichen Details unterscheiden:
Z. B. beginnt eine crescendo-Gabel in der einen Stimme früher, in der anderen später.
Oder die dynamischen Angaben stimmen in den einzelnen Stimmen nicht überein.
Diese Unterschiede sind leicht zu erklären, wenn man sich die Situation des Komponisten in seiner Zeit – noch ohne moderne Notations-Software – vorstellt:
Den Überblick behielt Hummel mittels der Orgel-Partitur.
Beim Aufschreiben der Einzelstimmen kam es dann jedoch verständlicherweise zu kleinen Abweichungen, da er dann nur jeweils die einzelne Stimme vor Augen hatte.

Der Überlick, den eine moderne Computer-Notengrafik hier bietet, erlaubt es, alle Stimmen musikalisch einheitlich zu gestalten und – selbstverständlich – auch mit geeigneten Stichnoten zu bezeichnen.

Überblick und Charakterisierung der einzelnen Messteile

Kyrie

Notengrafik Pastoralmesse von Hummel

Das Kyrie der Messe steht im 6/8-Takt, einem typisch weihnachtlichen Rhythmus, unter Musikern auch liebevoll „Lebkuchen-Rhythmus“ genannt.
Überhaupt ist auch die Gesamttonart der Messe, G-Dur, eine für Pastoralmessen typische Tonart.
Nach einer Introduktion, die überwiegend von den Holzbläsern gestaltet wird, folgt die typische, dem Text folgende Dreiteilung des Kyrie:
das erste Kyrie eleison – das Christe eleison – das zweite Kyrie eleison, als „quasi Da Capo“ komponiert, mit einem ruhigen Ausklang.

Bereits hier im Kyrie präsentiert sich die Messe als typisch romantische Messe:
die Anlage als Pastoralmesse, also als Musik, die mit einfacher und volkstümlicher Melodik sowie ruhig-friedlichem Charakter an die weihnachtlichen Hirtenszenen erinnern soll,
bedeutet nicht, dass nicht auch überraschende harmonische Wendungen, zahlreiche verminderte Akkorde und dramatische Steigerungen zu hören sind.

Gloria

Hummel_JF_Pastoralmesse_Beginn_Gloria

Ein sehr festlicher Charakter zeichnet das Gloria aus und erfüllt so die Erwartungen der Hörer an diesen Messteil.
Ein sehr langsamer Zwischenteil (e-moll, 3/4-Takt), der das „Qui tollis“ vertont, wird von zwei sehr schnellen Teilen (G-Dur, Alla breve Takt) eingerahmt.
Die Gesangssolisten haben im Gloria ihre ersten Einsätze: Ein kurzes Tenor-Solo im ersten Teil bereitet das „Qui tollis“vor, das als Sopran-Solo komponiert ist.
Am Ende dieses meditativen Abschnitts des „Qui tollis“ singt der Chor das „miserere nobis“ im pianissimo mit.

Credo

Hummel_JF_Pastoralmesse_Beginn_Credo

Im Credo (G-Dur, Alla breve, sehr bewegt) lässt der Komponist den Chor alleine beginnen.

Nach der ersten Textpassage schließen sich die Instrumentengruppen zusammen mit den Chorstimmen in fugierten Einsätzen der musikalischen Entwicklung an.
Dieser etwas umfangreichere erste Teil durchläuft sehr reizvolle harmonische Entwicklungen,
der sehr lebhafte Charakter des Anfangs beruhigt sich und leitet zum zweiten Teil über, dem „Et incarnatus ist“.
Wie im „Qui tollis“ des Gloria ist dieser Teil als Sopran-Solo angelegt und besticht durch seinen zunächst ganz entrückten und „engelsgleichen“ Charakter,
der durch Streicherakkorde in hoher Lage und Soli der Bläser entsteht.
Ganz im Kontrast zu diesem Teil steht die Passage, die den Text ab „Crucifixus etiam pro nobis“ vertont.
Im Einklang zur Bedeutung des Textes wird die Musik hier sehr dramatisch, bevor der Chor den Mittelteil „et sepultus est“ a capella beschließt.
Das Gegengewicht zum ersten Teil des Credo bildet der nun folgende dritte Teil, in dem Hummel seine Meisterschaft für abwechslungsreiche und dramatische,
ja quasi theatralische musikalische Entwicklungen unter Beweis stellen kann.
Trotz der Länge des Credos, die durch den Umfang der Textvorlage bedingt ist, empfindet der Zuhörer jeden Abschnitt als neu und interessant.

Sanctus

Hummel_JF_Pastoralmesse_Beginn_Sanctus

Das Sanctus (D-Dur, 4/4-Takt, alle breve) ist in einen langsamen ersten und einen raschen zweiten Teil gegliedert.
Der erste Teil breitet eine ruhige und doch auch festliche, majestätische Stimmung aus, bevor der 2. Teil, „Hosanna“,
in raschem Tempo und fugierten Einsätzen alle Stimmen und Instrumente der Reiha nach in das Lob Gottes einstimmen lässt.

Benedictus

Hummel_JF_Pastoralmesse_Beginn_Benedictus_Solo

Das Benedictus (B-Dur, 6/8-Takt) greift den pastoral-weihnachtlichen 6/8-Rhythmus auf.
Die Bläser-Introduktion erzeugt von Beginn an eine ruhig-fließende Stimmung, die sehr schön zum Charakter des Benedictus-Textes passt.
Dreimal ertönt dann das „Benedictus, qui venit in nomine Domini“:
zunächst vom Solo-Sopran, danach von den drei anderen Solostimmen und schließlich im forte vom gesamten Chor.
Das Benedictus schließt (typischerweise) mit dem „Hosanna“ und schließt so den Kreis zum Sanctus.
Hummel greift hier jedoch nicht den Schlussteil des Sanctus mit seinem raschen Tempo auf, sondern endet im selben Charakter, mit dem das Benedictus begonnen hat: ruhig und pastoral.

Agnus Dei

Hummel_JF_Pastoralmesse_Beginn_Agnus_Dei

Das Agnus Dei (g-moll, 4/4- bzw. 12/8-Takt, sehr ruhig) vertont die drei Rufe der Textvorlage:
Zweimal „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis“, gefolgt von einem „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona nobis pacem“.
Musikalisch stellt Hummel hier den schwermütigen und bittenden Charakter des Textes in den Vordergrund.
Die drei Agnus-Dei-Rufe schreiben dem Lamm Gottes ja die Kraft zu, die Sünden der Welt zu tragen und bitten um Erbarmen.
Immer wiederkehrende Unisono-Passagen der Streicher mit triolischen Motiven unterstreichen diese Stimmung.

Eines dieser sich aus tiefer Lage aufschwingenden Unisono-Motive eröffnet den Satz.
Der erste Agnus-Dei-Ruf wird dann vom Chor, gefolgt vom Solo-Sopran vorgetragen.
Der zweite Agnus-Dei-Ruf wechselt nach B-Dur; Chor sowie Bass- und Tenorsolist bringen hier die Bitte nach Erbarmen vor.
Wieder in g-moll, sehr dramatisch und mit einer Steigerung zum fortissimo lässt Hummel den dritten Agnus-Dei-Ruf erklingen.
Die Triolen der Unisono-Stellen der Streicher tragen jedoch hier bereits den Keim der „Erlösung“ in sich:
mit dem Wechsel nach G-Dur verwandeln sie sich in die Achtelnoten des 6/8-Taktes des abschließenden „Dona nobis“, das den Charakter des Kyrie aufgreift und die Messe so beschließt.
„Dona nobis pacem – gib uns Frieden“

Zur Person von Joseph Friedrich Hummel (geb. 14. August 1841 in Innsbruck, gest. 29. August 1919 in Salzburg)

Joseph_Friedrich_Hummel_Salzburg

Joseph Friedrich Hummel gilt als der Musiker, der den Grundstein für die Weltgeltung Salzburgs im internationalen Musikleben gelegt hat.
Nach seiner musikalischen Ausbildung in München unter Franz Lachner (1854-1859) war er als 20-Jähriger bereits Theaterkapellmeister am Nationaltheater in Innsbruck.
Weitere Stationen seiner Karriere waren:
Aachen (1863 – Kapellmeister am Stadttheater), Troppau (1863 – städtischer Kapellmeister),
Brünn (1873 – Stadtkapellmeister), Wien (1874 – Theaterkapellmeister),
Linz (1875 – Theaterkapellmeister) und wieder Brünn (1876).

Im Jahre 1880 wurde in Salzburg die Musikschule „Mozarteum“ gegründet; dort war Hummel bis zu seiner Pensionierung 1908 als Direktor tätig.
Er war der Gründer des „Mozarteumsorchesters“ sowie des „Mozarteums-Frauenchors“, außerdem war er als Chormeister der „Salzburger Liedertafel“ tätig (1883-1912).

Hummel war ein vielseitig begabter Musiker:
er war als Musikpädagoge und Dirigent, aber auch als Solist, Begleiter und Kammermusiker tätig.
Er galt als feinsinniger Mozart-Dirigent, führte aber auch die Werke von Richard Wagner, Anton Bruckner und Richard Strauß in Salzburg ein.
Darüber hinaus schuf er als Komponist ein umfangreiches Oeuvre verschiedener Gattungen,
darunter 3 Messen, die „Ölberg-Kantate“, 2 Klarinettenkonzerte, 1 Fagottkonzert, 8 Ouvertüren, zahlreiche Schauspielmusiken für das Theater und vieles mehr.

Ich freue mich, dass ich mit Partitur Xpress einen Beitrag zur Aufführung dieser schönen Messe leisten konnte.
Der Kirchenmusik Salzburg wünsche ich alles Gute für das neue Jahr 2016!

[Quellen:
Antonicek, Theophil, „Hummel, Joseph Friedrich“ in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 54 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117062316.html;
Quelle: Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, http://www.biographien.ac.at;
Wikipedia – die freie Enzyklopädie;
Bilder: gemeinfrei und Partitur Xpress]

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