Klavierauszug – die spezielle Form von Notensatz

Eine spezielle Form von Notensatz ist der sog. Klavierauszug, besonders als Arbeitsmaterial für Korrepetitoren an Theatern und Operhäusern

Was ist ein Klavierauszug

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Klavierauszug als Reduktion eines Musikwerks mit eigenen Notensystemen für Sing- oder Instrumentalstimmen.
Ca. 2 Wochen nach der Uraufführung von Mozarts „Don Giovanni“ erschien die Oper als Klavierauszug und machte es damit möglich, sich jederzeit mit diesem Werk auch ohne Orchesterbesetzung auseinanderzusetzen.

Spieltechniken im Klavierauszug

Es entwickelten sich sogar spezielle Spieltechniken wie etwa Oktavverdopplungen oder Tremoli, die ihrerseits wieder den Satz und die Spieltechniken von originalen Klavierkompositionen beeinflussten.
Mit der zunehmenden Komplexität der Musik ab dem späteren 19. Jahrhundert wurde es immer schwieriger Klavierauszüge anzufertigen, die einerseits das Werk mit allen Instrumenten wiedergeben konnten als auch pianistisch überhaupt spielbar waren.
Teilweise wurde dazu übergegangen, Klavierauszüge vierhändig oder für zwei Klaviere zu setzen.
Um Orchesterwerke spielbar und klaviergerecht zu setzen bedarf es einiger spezieller Kunstgriffe wie die sog. „Brillenbässe“, Tremoli für Schlagzeugwirbel, Arpeggien und Albertibässe für Streicherakkorde und –figuren.
Meist ist es nicht möglich die gesamte Orchesterpartitur als Klavierauszug umzusetzen, weil das sehr schnell dazu führt, dass er unübersichtlich und kaum mehr spielbar wird.
In der heutigen Praxis entwickelt sich dadurch oft eine enge Zusammenarbeit zwischen Komponist und Notengrafiker, da ausgearbeitet werden muss welche Stimmen bevorzugt notiert werden. Manche Nebenstimmen werden dann nur noch als Stichnoten angedeutet, um den Klaviersatz nicht unnötig zu überladen.

Verwendung des Klavierauszugs

Im 19. Jahrhundert wurden Orchesterwerke gerne als sog. Klavier-Paraphrasen teils auch in Form von vierhändigen Reduktionen gespielt. Sie ersetzten zur damaligen Zeit die noch nicht erfundene Schallplatte. Diese Verwendung ist heute gänzlich aus der Mode gekommen.

Heutzutage dient ein Klavierauszug im professionellen Bereich zur Einstudierung überwiegend von Opern oder anderen Werken mit Chor und Orchester und zur Einstudierung von Balletten. Sie sind an Theatern und Opernhäusern das Arbeitsmaterial für Korrepetitoren, Regisseure und Souffleure und enthalten auch Einzeichnungen von Regieanweisungen und bühnentechnischen Aktionen.

Gelegentlich werden große Chorwerke auch mit Klavierbegleitung aufgeführt.

Andere Formen des Klavierauszugs

Andere Formen von Klavierauszügen sind die Klavier- Direktions-Stimme, die im Bereich der Operetten- und Salonmusik die Dirigierpartitur ersetzte, als auch der Orgelauszug als Aufführungsmaterial für den Gottesdienst.

Im Bereich der modernen Jazz- und Popmusik entwickelte sich die Klavierreduktion der Stücke in der Form von sog. Leadsheets. Hier werden nur noch eine Melodiestimme und Akkordsymbole notiert.

Klavierauszüge sind eine sehr aufwändige Arbeit und erfordern ein fundiertes Wissen im Bereich Tonsatz sowie beste pianistische Qualifikation.
Partitur Xpress erarbeitet als Spezialgebiet Klavierauszüge und Klavierreduktionen.

Bereits erarbeitete Klavierauszüge waren u.a.
Nancy Va de Vate: Oper „Hamlet“
Helmut Bieler: Oper „Gestohlenes Leben“
Theodor Karl Lieven „Polytonale Imitationen“

Quellen:

Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht (Hrsg.): Brockhaus-Riemann-Musiklexikon in vier Bänden und einem Ergänzungsband. Atlantis-Musikbuch-Verlag, Mainz 2001, ISBN 978-3-254-08400-2 (hier speziell Bd. 2)

Christian Fastl: Klavierauszug. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9.

Hans-Joachim Hinrichsen, Klaus Pietschmann (Hrsg.): Jenseits der Bühne: Bearbeitungs- und Rezeptionsformen der Oper im 19. und 20. Jahrhundert (= Schweizer Beiträge zur Musikforschung; 15), Kassel 2010, die Beiträge von den Hrsg. S. 25-36 u. 161-171.

 

 

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